Ernst Grube hat uns besucht

„Wie schaffen Sie es, sich an alles so genau zu erinnern? Sie waren ja noch so klein, als die Verfolgung durch die Nazis begonnen hat…“ Ernst Grube überlegt kurz auf die Frage der Neuntklässlerin und erklärt ihr dann, dass er sehr viel liest, schon immer so viel gelesen hat. Und, dass es seiner Erinnerung hilft, immer wieder mit Menschen über die Ereignisse zu sprechen: Wie seine Familie 1938 aus der Wohnung in München vertrieben wurde. Wie er und seine Geschwister ins Kinderheim mussten, die kleine Schwester war zu dem Zeitpunkt noch ein Baby. Wie er im Ghetto war, von Deutschen angespuckt und beleidigt wurde und schließlich mit Mutter und Geschwistern nach Theresienstadt deportiert wurde, als es nichts mehr half, dass der Vater sich mit aller Kraft für Frau und Kinder einsetzte - so, wie er es heute mit unseren neunten Klassen auch tut, die still in der Aula sitzen und ihm zuhören, bevor sie dann Gelegenheit haben, ihn zu fragen, was sie wissen möchten. Die Jugendlichen nutzen die wertvolle Gelegenheit, mit einem Mann zu sprechen, der die NS-Zeit erlebt und überlebt hat und sie wissen es zu schätzen, dass er mit ihnen die schmerzhaften Erinnerungen teilt.

Danke, Herr Grube, dass Sie mit uns geredet haben! Ich weiß, dass Sie bewirkt haben, dass diese Jugendlichen nicht vergessen und verharmlosen werden. Und das ist sehr viel wert.

Stefanie Siller

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