Bei der diesjährigen Abiverleihung ist vieles anders – nicht nur wegen Corona

Es war eine Premiere in vielfacher Hinsicht: Die erste Abiturfeier ohne anschließenden Ball, die erste für den neuen Schulleiter, die erste mit Sicherheitsabstand, aber vor allem die kleinste von allen.

Lediglich zwölf Schülerinnen und Schüler erhielten am vergangenen Freitag in der Aula des Regentalgymnasiums ihr Reifezeugnis und waren damit sogar in Unterzahl im Vergleich zu ihren ehemaligen Lehrern. Vor sechs Jahren hatten sie sich entschieden, nicht wie ihre damaligen Mitschüler, die Mittelstufe Plus zu wählen, sondern auf schnellem Weg das Abitur zu erlangen. So fand die Verleihung der Zeugnisse also nicht nur coronabedingt in einem kleineren Rahmen statt.

Aus diesem Grund aber bot sich die Gelegenheit, eine sehr persönliche Feier zu halten. Der neue erste Bürgermeister der Stadt Nittenau Herr Boml konnte in seinen Grußworten die Enttäuschung der Abiturientinnen und Abiturienten über die nicht stattfindende große Party nachempfinden, denn auch er hat seine Wahl bisher nur in kleinem Kreis gefeiert. Herr Reuschl, der als Oberstufenkoordinator die Schüler während der letzten beiden Jahre begleitet und betreut hatte, rekapitulierte in seiner Rede die gefühlt täglich eintrudelnden Schreiben des Kultusministeriums, welche entweder die Organisation des Unterrichts oder die Berechnung der Noten regelten, sodass man bisweilen froh gewesen wäre, vor dem Lehrerdasein ein Studium der Verwaltungswissenschaft absolviert zu haben.

Den Wert der Bildung, der sich nicht absolut in Zahlen messen lasse, stellte anschließend der Schulleiter OStD Fiedler in seiner Ansprache dar. Dazu berief er sich auf keinen geringeren als Albert Einstein: „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“ und „Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information.“ Daher lasse sich die Leistung der Schülerinnen und Schüler nur bedingt mit den offiziell besseren Zahlenwerten chinesischer Schüler vergleichen, die täglich bis zu 14 Unterrichtsstunden hätten und dann noch zu Hause weiter lernen würden. Die Abiturienten sollten ihre Freiheit zu schätzen wissen, um später eine überlegte Wahl zu einer Ausbildung oder für ein Studium zu treffen und diesen Weg dann konsequent beschreiten zu können.

Zusammen mit den Abiturzeugnissen, die aufgrund der derzeitigen Umstände nicht direkt übergeben, sondern lediglich auf einem Notenpult bereit gestellt wurden, wurde auch der Ehrenpreis der Schule verliehen, der dieses Jahr an drei Schüler ging: Richard Brockmann für sein langjähriges Engagement im Sanitätsdienst der Schule, Zoe Weinberger, die sich immer wieder als Klassensprecher und auch als Schülersprecherin für die Interessen der Schüler einsetzte und schließlich Janina Auburger, die sich als Tutorin neben der Schule noch im Sportverein und bei der Freiwilligen Feuerwehr einbrachte. Die Letztgenannte erreichte im Abitur die Traumnote von 1,0 und erhielt zusätzlich auch den Biologie-Zukunftspreis und den Abiturpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.

Nach dem abschließenden Musikstück des Streichquartetts unter der Leitung von Dr. Wagner, welches die Veranstaltung feierlich umrahmte, wurde auf dem Pausenhof der Schule zusammen mit den Ehrengästen noch ein Erinnerungsfoto gemacht – natürlich mit Abstand.