17 Jugendforum der bayerischen UNESCO-Projektschulen

„Jeder kann ein Held sein!“

  1. Jugendforum der bayerischen UNESCO-Projektschulen zum Thema „Agenda 2013“ (21.02.-23.02.18)

Erwartungsfroh setzten wir uns am Mittwochmorgen in den Zug nach Nürnberg, um dort für die Zeit bis Freitag Quartier zu nehmen.

Der „Aufstieg“ zur Kaiserburg, die sich über die Nürnberger Altstadt erhebt, lohnte sich, denn dort erwarteten uns tolle Räumlichkeiten, nette Leute, sowie leckeres Essen, vor allem aber ein sehr ansprechendes Programm.

Den Anfang des Jugendforums mit dem Schwerpunktthema „Agenda 2030 – Nachhaltigkeit“ bildete eine Auftaktveranstaltung mit dem Schul-Bürgermeister der Stadt Nürnberg, den Schulleitern zweier Nürnberger Gymnasien, der Landeskoordinatorin der bayerischen UNESCO-Projektschulen (UPS) und - man glaubt es kaum - „Supergirl“ und „Biene Maja“. In der Podiumsdiskussion kamen verschiedene Themen zur Sprache, so wurde der Bürgermeister zum Engagement der Stadt Nürnberg in den Bereichen Nachhaltigkeit, Wasserqualität, ÖPNV und Gleichberechtigung befragt. Die Schulleiter der Nürnberger  UPS hatten darüber hinaus Gelegenheit, sich zu ökologischen Sachverhalten im Schulleben oder zur digitalen Bildung zu äußern. An das ökologische Bewusstsein der Teilnehmenden appellierte „Biene Maja“, indem sie beispielhaft die veränderte Situation für Bienen in unserer Umwelt thematisierte. „Supergirl“ hingegen stärkte das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schülern der knapp 30 bayerischen Bildungseinrichtungen. „Jeder von uns kann ein Held oder Heldin sein!“, so lautete ihre Botschaft, mit der sie uns dazu aufforderte, mit kleinen Schritten Veränderungen in Gang zu bringen.

Gut eingestimmt machten sich also bald darauf alle Schülerinnen und Schüler auf den Weg in ihre bereits zuvor ausgewählten Workshops. Vielfältig waren die Themen der 13 möglichen Workshops: Architektur und Frieden, Gebärdensprache, Upcycling, Klimaschutz, Argumentationstraining, Komposition eines UNESCO-Songs, Diskriminierung und noch einiges mehr. Erst am Abend traf man sich wieder, um gemeinsam ein Konzert an einer Nürnberger Waldorfschule zu besuchen, bei dem das Oberstufenorchester eindrucksvoll vorwiegend Filmmusik präsentierte. Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Workshops, denn den ganzen Tag widmeten sich die Teilnehmenden mit den Betreuern ihren Themen, während die Lehrkräfte bei kaltem aber sonnigen Wetter eine interessante Führung  zur „Architektur der Einschüchterung“ im Umfeld des ehemaligen Reichsparteitagsgelände erhielten und sich mit dem Thema „Bienen und Schule“ auseinandersetzten. Ein freier Abend ließ aber anschließend genügend Raum und Zeit, um die Kontakte zu Schülerinnen und Schülern anderer Schulen zu vertiefen und den Akku für den nächsten Tag wieder aufzuladen. Nach einer teilweise kurzen Nacht traf sich am Freitag jeder Workshop nochmals und legte letzte Hand an, damit man die Ergebnisse der Arbeit im sogenannten „World Café“ präsentieren konnte. Dabei gab es viel zu sehen aber auch zu hören, denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Musikworkshops hatten es tatsächlich geschafft einen Song zu komponieren. Unter folgendem Link kann man eine Kostprobe erhalten:

https://www.nuernberg.de/imperia/md/bertolt_brecht_schule/Audio/2018-unesco-jugendforum-musikworkshop.mp3

Verköstigt wurden wir dabei zum Teil mit Produkten aus fairem Handel und nachhaltiger Erzeugung – eine runde Sache also! Angefüllt mit vielen Eindrücken und Erlebnissen machten wir uns am Mittag schließlich auf die Heimreise.

Singer

 

Nun folgen Berichte zu zwei verschiedenen Workshops:

Workshop „Upcycling“

Ich besuchte den Workshop „Upcycling“, bei dem es darum ging, aus etwas Altem, also oftmals Müll, ein völlig neues Produkt herzustellen, das dann weiter benutzt werden kann.

Die ca. 15 Teilnehmer waren in den verschiedensten Altersgruppen vertreten und durch unsere unterschiedlichen Fähigkeiten, handwerkliches Geschick oder eher kreatives Denken ergänzten wir uns gut und erzielten schließlich schöne Endprodukte. Geleitet wurde unser Workshop von drei Schülerinnen des Berthold-Brecht-Gymnasiums in Nürnberg. Durch den geringen Altersunterschied zwischen uns Teilnehmern und den Workshopleiterinnen arbeiteten wir stets in einer lustigen und entspannten Atmosphäre und lernten nebenbei auch noch etwas Neues dazu, das man auch weiterhin immer wieder anwenden kann. Als Einzelprojekte falteten wir beispielsweise aus Milch-Tetra Paks Geldbeutel oder machten aus alten Kronkorken Tassenuntersetzer. Als Gemeinschaftsprojekt sammelten wir am letzten Tag in Nürnberg die unterschiedlichsten Materialien, wie Korken, Äste oder Pappkarton und bauten einen Miniatur-Tischkicker.

Im Großen und Ganzen wurden meine Erwartungen mehr als erfüllt: Ich habe eine Menge aus dem Workshop mitgenommen, z.B. das nicht alles, was kaputt ist, auch gleich Müll ist, aus dem man nichts mehr machen kann, und man hat neue, nette und sympathische Menschen kennengelernt mit denen man seine Ideen und auch die ein oder andere Nummer tauschen konnte.

Zoe Weinberger

 

Workshop „Diskriminierung“

Gleich nach der Willkommensveranstaltung im Talk-Show-Format und chaotischer Zimmerverteilung begannen unsere Workshops. Der Workshop, den ich belegte nannte sich „Diskriminierung trifft uns alle“ und bot mir super aufschlussreiche und wirklich mitreißende drei Tage und jeder aus meinem Umfeld kann bestätigen, wie begeistert ich davon erzählte. Bei Diskriminierung war ich der Meinung, dass man eigentlich schon alles weiß - man soll jeden tolerieren, respektieren, behandeln wie man selbst behandelt werden will. Doch dann entschloss ich mich doch diesen Workshop zu wählen, da man mit Diskriminierung tagtäglich auf die ein oder andere Weise konfrontiert wird. Sei es in Form von Mobbing, Sexismus, oder Rassismus - im Fernsehen, der Stadt, oder der Schule - es ist alltäglich. Am ersten Nachmittag machten wir eine kleine Exkursion ins Nürnberger Menschenrechtszentrum, wo Inge Spiegel, unsere Kursleiterin, arbeitet. Zu Beginn sollten wir eine der vielen Postkarten auswählen, die alle auf dem Thema Diskriminierung basierten, uns erst einmal vorstellen, sagen woher wir kamen, wieso wir uns für diese Karte und den Workshop entschieden haben. Als Einleitung ins Geschehen machten wir außerdem ein kleines Spiel. Alle die etwas Weißes trugen sollten einen kleinen Kreis in der Mitte bilden und von den Verbliebenen sollte einer nach dem anderen versuchen hineinzugelangen. Danach sollte man jeweils sagen, wie sich diejenigen im und außerhalb des Kreises fühlten. In der einen Gruppe fielen z.B. Begriffe wie Stärke, Rückhalt und Macht, in der anderen Angst, Einsamkeit und Schwäche und schnell fand man ins Thema hinein. Da die Gruppe recht klein war und sich alle sehr aktiv beteiligten, entstand in nur einer Stunde eine sehr vertraute Atmosphäre und viele begannen von persönlichen Erfahrungen zu erzählen, wie sie Diskriminierung bereits am eigenen Leib erfahren haben und es erstaunte mich sehr, wie viele etwas zu erzählen hatten. Inge war wirklich die beste Leiterin, die man sich vorstellen konnte. Man merkte, wie sehr sie für dieses Thema brennt, machte uns stetig Mut und gab uns Anerkennung. Was den Workshop besonders lehrreich machte, waren die Verknüpfungen, der Aussagen, Reaktionen auf Erzählungen usw., auf die sie uns immer hinwies. Am zweiten Tag hatten wir Maria zu Besuch. Sie ist Ende 20 und sitzt im Rollstuhl, da sie mit Spina Bifida, einem offenem Rücken, geboren wurde, eine Krankheit bei der sich die Wirbelsäule bei der Embryonalentwicklung nicht geschlossen entwickelt und Nerven und Rückenmarksteile aus dem Rücken vorwölben. Wir durften sie alles fragen, was wir wollten und bekamen so einen guten Einblick in das Leben mit einer Behinderung und für Marias Einstellung und wie sie Probleme meistert hatten alle großen Respekt. Den Freitag, den letzten Tag in Nürnberg und somit letzten Workshop-Tag, verbrachten wir mit Beendigung unserer gemeinsamen Arbeit, Reflektieren der letzten beiden Tage und Vorbereitung unseres Standes für das Worldcafé.

Quynh Nhu Vu