In der letzten Septemberwoche feierte das Regental Gymnasium in Nittenau die deutsch-belgische Freundschaft mit den Partnerschulen von Athus und Habay-la- Neuve (Wallonie, Belgien).

66 Jungen und Mädchen hatten sich bereits im April auf das internationale Abenteuer eingelassen, als die deutschen Schüler eine Woche in belgischen Gastfamilien verbracht hatten. Für den Gegenbesuch war die Vorfreude auf die belgischen Gäste groß. Aufgeregt traten die Jungen und Mädchen der Klassen 10a, 9Plb und 9Plc am späten Freitag Nachmittag von einem Fuß auf den anderen. Die Spannung und die Nervosität stiegen ins Unermessliche, bis plötzlich jemand rief: „Da kommt der Bus!“. An dessen Scheiben klebten innen schon die aufgeregten Gesichter der belgischen Schüler und Schülerinnen, die ihren Freunden zuwinkten und es kaum erwarten konnten, sie in die Arme zu schließen. Das Wochenende war für alle Gäste wie ein Sprung ins kalte Wasser: nicht nur, dass sie sich in völlig neuer Umgebung in einer Gastfamilie zurechtfinden mussten, auf sie warteten auch sprachliche Herausforderungen. Die Erkenntnis, dass sich das gelernte Schulbuch-Deutsch deutlich vom landläufigen Oberpfälzisch unterscheidet, war nicht ganz so leicht zu verdauen wie die bayerischen Schmankerl, die aufgetischt wurden. Aber die Französischkenntnisse der Nittenauer Schüler sowie Hände und Füße halfen stets weiter. Nach einem ereignisreichen Wochenende, dessen vielfältiges Programm von den Familien individuell gestaltet wurde, tauchten die Schüler am Montag in den Schulalltag ein. In der Aula des Gymnasiums wurden sie zunächst vom neuen Schulleiter herzlich willkommen geheißen. Frank Fiedler, seines Zeichens Mathematik- und Physiklehrer, beeindruckte die belgischen Schüler mit einer kleinen warmherzigen Rede auf Französisch, die er sich extra für die Gäste zurecht gelegt hatte. Den Vormittag über schnupperten die Belgier Klassenzimmerluft. Die Kollegen aller Fachschaften öffneten ihre Türen und ließen die Gäste am Unterricht teilnehmen - auf deutsch natürlich! Der Nachmittag gehörte dann wieder den schöneren Dingen des Lebens. In einem internationalen Sportturnier kam die Bewegung nicht zu kurz. Der anschließende Kaffeeklatsch, bei dem alle Teilnehmer, Eltern und Lehrer in gemütlicher Runde zusammen saßen, füllte die Energiereserven wieder auf. Für die Stärkung hatten sich die Eltern ordentlich ins Zeug gelegt und zeigten für das Kuchenbüffet ihre Backkünste.

Besonders viel Energie war für das Programm der folgenden Tage auch notwendig. Bei einem Besuch der Landeshauptstadt gab es viel zu entdecken. Was die Belgier wohl mehr in Staunen versetzte: die grandiose Aussicht von dem Olympiaturm in die Alpen, die technischen Neuheiten der BMW-Welt oder doch die vermeintlich traditionellen, jedoch sehr bizarren Wiesnkostüme der anderen Touristen? Eine kurzweilige Stadtbesichtigung klärte die belgischen Schüler glücklicherweise über echte bayerischen Traditionen in München auf. Regensburg erkundeten die Belgier dann an der Seite ihrer Austauschpartner zunächst auf eigene Faust im Rahmen einer Fotoschnitzeljagd, die die Blicke der Gäste auf die schönsten Schmuckstücke der mittelalterlichen Stadt lenkte. Mit einem Besuch des Museums der bayerischen Geschichte und einer Führung im Fürstlichen Schloss war der Tag gut ausgefüllt. An Ausruhen war aber nach all der Anstrengung noch lange nicht zu denken. Nach dem letzten Unterrichtsvormittag in der Schule, hatten sich die deutschen Schüler für ihren Gast noch einen besonderen Programmpunkt zum Abschluss auserkoren. Der Besuch der spektakulären Illumination des Regensburger Doms wird manchem belgischen Schüler sicherlich als Höhepunkt seines Aufenthalts in Deutschland in Erinnerung bleiben. Wie emotional die Teilnahme an einem Austausch sein kann, bezeugten die Tränen, die am letzten Morgen im Moment des Abschieds in die Taschentücher flossen. Eltern und Lehrer haben ihr Mögliches getan, damit die internationale Begegnung stattfinden konnte. Der Grundstein für Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Kulturen wurde gelegt. Jetzt ist es an den Jugendlichen selbst, den Kontakt zu halten und zu pflegen, damit aus dem „Adieu“ des Freitagmorgen vielleicht doch eines Tages ein „Au revoir“ - ein echtes „Wiedersehen“ - wird.