Seit über 70 Jahren
„Es hat sich eigentlich nicht viel verändert!“ – so oder so ähnlich lauten häufig die Reaktionen, wenn ehemalige Abiturientinnen und Abiturienten Jahrzehnte nach ihrem Abschluss an ihre Schule zurückkehren.
Auch Cäcilia Mischko schildert diesen Eindruck. Sie gehörte zu den ersten Abiturjahrgängen, die im noch nicht vollständig fertiggestellten Neubau im Jahr 1975 ihre Prüfungen ablegten. Der äußere Eindruck täuscht jedoch: Hinter der vertrauten Oberfläche verbirgt sich eine bewegte und dynamische Schulgeschichte.

Wie Nittenau zu einem Gymnasium kam
Das Regental-Gymnasium zählt nicht zu den traditionsreichen Gymnasien des 19. Jahrhunderts, blickt jedoch auf eine bemerkenswerte Entwicklung zurück. Die Tatsache, dass eine Stadt wie Nittenau ein eigenes Gymnasium vorhalten kann, ist keineswegs selbstverständlich und Ergebnis langjähriger Bemühungen.
Den Ausgangspunkt bildete der „Schulverein Nittenau e. V.“, der in der Nachkriegszeit mit dem Ziel gegründet wurde, eine private Realschule aufzubauen, zu führen und zu betreiben. Die erste Genehmigung durch das Kultusministerium erlaubte den Betrieb einer vierklassigen höheren Lehranstalt. Die Schule war um 1950 zunächst in der Fischbacher Straße im Ortsteil Bergham untergebracht. Das Gebäude, ursprünglich als Jugendheim konzipiert, stellte für die damalige Zeit einen modernen Neubau dar.
Der Weg zur staatlichen Anerkennung
Die ersten Jahre der privaten Realschule waren von organisatorischen und finanziellen Herausforderungen geprägt. Als private Einrichtung erhielt die Schule zunächst nur eingeschränkte staatliche Unterstützung. Gleichzeitig stiegen die Schülerzahlen deutlich schneller als erwartet. Im Jahr 1956 konnte der Ausbau des ersten Obergeschosses abgeschlossen werden. Die Genehmigung zur Führung von sechs Jahrgangsstufen wurde erteilt, sodass erstmals der Realschulabschluss erreicht werden konnte, der jedoch zunächst nur über eine zusätzliche externe Prüfung möglich war. Die staatliche Anerkennung als Ersatzschule, die eine Gleichstellung mit öffentlichen Schulen bedeutet und die eigenständige Vergabe von Abschlüssen ermöglicht, stand zu diesem Zeitpunkt noch aus.
Die Oberrealschule Nittenau
Am 25. März 1959 wurde die Einrichtung nach intensiven Bemühungen des Schulvereins und des Landkreises Roding in die „Oberrealschule Nittenau“ umgewandelt und erhielt die staatliche Anerkennung. Die Schule blieb weiterhin in privater Trägerschaft, war jedoch nun offiziell als gleichwertige Bildungseinrichtung anerkannt.

Verstaatlichung und Ausbau zur Vollanstalt
Die kontinuierlich steigenden Schülerzahlen sowie der damit verbundene räumliche und finanzielle Bedarf führten in der Folgezeit zu einer strukturellen Neuordnung. Am 1. Oktober 1959 übernahm der Landkreis einen wesentlichen Teil des Sachaufwands, und die Schule wurde in „Staatliche Oberrealschule Nittenau“ umbenannt.
Am 25. Juli 1961 erfolgte die Erweiterung zur sogenannten Vollanstalt. Damit war es den Schülerinnen und Schülern erstmals möglich, nach der mittleren Reife an der Schule zu verbleiben und die gymnasiale Oberstufe vollständig zu durchlaufen. Dieser Schritt stellte einen bedeutenden Fortschritt für die Bildungslandschaft der Region dar und eröffnete neue schulische Perspektiven für die Jugendlichen im Einzugsgebiet.
Die Entstehung des heutigen Namens
Mit der Einführung der Oberstufe und dem weiteren Anstieg der Schülerzahlen wuchs auch der Bedarf an zusätzlichen Räumlichkeiten. Die Entwicklung in Richtung eines vollwertigen Gymnasiums wurde zunehmend deutlich.
Am 14. März 1966 erhielt die Schule den Namen „Regental-Gymnasium“. Parallel dazu wurden erste Planungen für eine langfristige räumliche Erweiterung aufgenommen. Die Notwendigkeit eines Neubaus ergab sich insbesondere aus dem starken Schülerzuwachs: von etwas über 200 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 1960/61 auf nahezu 600 im Schuljahr 1975/76.
Neubau im Schulzentrum
In diese Phase fällt auch die Schulzeit von Cäcilia Mischko, die als eine der ersten Jahrgänge im Neubau ihre Abiturprüfung ablegte. Sie erlebte den Übergang zwischen altem und neuem Schulstandort unmittelbar und kannte beide Gebäude gut. Schrittweise wurde die neue Anlage im Bereich der Bodensteiner Straße fertiggestellt, einschließlich der Außenanlagen und einer Doppelturnhalle. Die feierliche Einweihung erfolgte am 29. Februar 1980 und markierte zugleich das dreißigjährige Bestehen der Schule.

Entwicklung bis in die Gegenwart
In den folgenden Jahrzehnten begleitete das Regental-Gymnasium zahlreiche Reformen des bayerischen Gymnasialsystems, darunter die Einführung der Kollegstufe, die Rückkehr zum achtjährigen Gymnasium sowie die erneute Umstellung auf das neunjährige Gymnasium (G9). Im Rahmen des Modellprojekts Mittelstufe Plus war die Schule zudem an innovativen Entwicklungsprozessen beteiligt.
Die räumliche Infrastruktur wurde kontinuierlich erweitert, unter anderem durch zusätzliche Kursräume, den Ausbau des naturwissenschaftlichen Trakts, die Errichtung einer Mensa mit Ganztagsangebot, die Gestaltung eines Grünen Klassenzimmers im Schulgarten sowie die Anschaffung einer Digitalorgel. Trotz einer mittlerweile Schülerschaft von nahezu achthundert Schülerinnen und Schülern prägt die Schule bis heute eine ausgeprägte familiäre Atmosphäre. Der persönliche Umgang, gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Engagement stehen im Mittelpunkt des schulischen Miteinanders.

Das Bildungsangebot ist breit gefächert und umfasst musikalische, sprachliche, sportliche, künstlerische sowie soziale Schwerpunkte, die gezielt gefördert werden.
UNESCO-Projektschule
Im Jahr 2025 wurde das Regental-Gymnasium in das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen aufgenommen. Dieses weltweite Netzwerk umfasst Schulen aller Schularten und Bundesländer und zählt in Deutschland über 300 Einrichtungen.
Im Mittelpunkt stehen die Förderung von Frieden, internationaler Verständigung und nachhaltiger Entwicklung. Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, Verantwortung für die globale Gemeinschaft zu übernehmen und aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft mitzuwirken. Durch Kooperationen mit außerschulischen Partnern und einen ganzheitlichen Bildungsansatz leisten UNESCO-Projektschulen einen Beitrag zu den globalen Nachhaltigkeitszielen.
Das RTG wird sich auch zukünftig an diesen Zielen orientieren und gemeinsam und mit großem Engagement seine Schülerinnen und Schüler für die Gestaltung der Zukunft vorbereiten!
Die Stationen im Überblick
um 1950Gründung der privaten Realschule des „Schulvereins Nittenau e. V.“ im Jugendheim an der Fischbacher Straße
1956Ausbau des Obergeschosses; Genehmigung für sechs Jahrgangsstufen
25.03.1959Staatliche Anerkennung als „Oberrealschule Nittenau“
01.10.1959Umbenennung in „Staatliche Oberrealschule Nittenau“
25.07.1961Erweiterung zur Vollanstalt mit gymnasialer Oberstufe
14.03.1966Die Schule erhält den Namen „Regental-Gymnasium“
1975Erste Abiturprüfungen im noch unfertigen Neubau an der Bodensteiner Straße
29.02.1980Feierliche Einweihung des Schulzentrums — zum dreißigjährigen Bestehen
2025Aufnahme in das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen
