Belgientagebuch

Belgisches Tagebuch 2013

Samstag, 20.03.2013

Gegen neun Uhr verließen wir das RTG. Nachdem alle Koffer verstaut waren und wir uns von unseren Eltern ausgiebig verabschiedet hatten, begann die achtstündige Fahrt aus dem verregneten Bayern ins trockene Belgien. Gegen 16 Uhr erreichten wir den Parkplatz des Einkaufszentrums CORA in der Nähe von Athus, wo wir schon einen Teil unserer Freunde verabschieden mussten, da ihre Austauschpartner in Athus zur Schule gingen. Doch für uns ging die Reise weiter. Nachdem wir gespannt beobachtet hatten, wie alle herzlich von ihren Gastfamilien mit « Bisous » empfangen wurden, machte sich in uns immer mehr Aufregung breit. Was ist, wenn wir nichts verstehen? Erkennen wir unsere Partner überhaupt? Wie leben sie? Sind sie nett? Aber unsere Sorgen waren unbegründet. Nach weiteren dreißig Minuten, erreichten wir Habay-la-Neuve, wo wir auf einem Platz gegenüber der Schule schon sehnlichst erwartet wurden. Durch die Fenster im Bus erkannte der eine oder die andere bereits seinen / ihren « corres », aber viele Gesichter waren uns noch fremd. Daheim bei unseren Gastfamilien angekommen wussten wir zuerst gar nicht, worüber wir uns mit ihnen unterhalten sollten. Aber wir waren uns alle einig, dass die belgischen Familien sehr nett waren und auch sehr zuvorkommend, was die französische Sprache betraf: Uns zuliebe sprachen sie langsam und deutlich. Am Abend besuchten die meisten noch ein Grand Feu (Grands Feux sind große Feuer, welche zum Frühlingsanfang in vielen belgischen Dörfern abgehalten werden) in der Umgebung von Habay. Dies bedeutete gleichzeitig ein Wiedersehen mit unseren Freunden aus Habay. Gegen Mitternacht (oder sogar noch später) verließen die Meisten die Veranstaltung, was zur Folge hatte, dass wir am Sonntag seeeehr müde waren.

 

Sonntag, 21.03.2013

Den Sonntag verbrachten wir innerhalb der Familien. Viele machten Ausflüge, gingen ins Kino, Bowlen oder Schwimmen, und lernten dabei ihre Austauschpartner besser kennen. Dadurch fiel uns dann das Sprechen auch schon leichter. An diesem Tag konnten wir auch traditionelle belgische Gerichte, wie die in Belgien erfundenen Pommes, probieren.

 

Montag,22.03.2013

Morgens bekamen einige schon mal einen Eindruck vom Schulgebäude. Nachdem wir alle zusammengefunden hatten, stiegen wir dann aber in einen Bus, und zusammen mit unseren « corres » ging es nach Frankreich, in die Stadt Metz. Dort trafen wir am Centre Pompidou auch unsere Freunde aus Athus wieder. Im Centre Pompidou füllten wir dann in Vierergruppen, d.h. jeweils zwei deutsche und zwei belgische Schüler, einen Fragebogen über die Kunstwerke aus - leider waren die Fragen alle auf Französisch, so dass wir uns schwer taten. Als Nächstes fuhren wir zur Place d´Armes vor der Kathedrale. Dort bekamen wir eineinhalb Stunden Mittagpause, in der wir zunächst Essen gingen , zum Beispiel bei MC Donalds (auf belgisch: Mac Do`). Danach hatten wir noch ein wenig Zeit zum Shoppen. Wir probierten auch die berühmten « Tartes au chocolat », die allen sehr gut schmeckten. Später sollten wir eigentlich selbstständig Informationen über die Kathedrale herausfinden, aber eine kleine deutsch/belgische Gruppe setzte sich bei dem sonnigen Wetter in einen nahegelegenen Park ab und fragte dort selbständig Einheimische nach den Antworten auf die Fragen, was ihnen eine weitere Pause von 20 Minuten bescherte ;). Nachdem noch ein Gruppenfoto gemacht worden war, fuhren wir wieder zurück.

 

Dienstag, 23.03.2013

Am Dienstag ging es dann richtig in die Schule. Zuerst wurden wir in einem kleinen Raum untergebracht, wo wir zunächst einen Film über die wichtigsten belgischen Städte (aber auf Deutsch) und danach einen Teil des „Hobbits“ auf Französisch angeschaut haben (aber mit deutschen Untertiteln). Schließlich zeigte uns Herr Kiene das Schulhaus. In der 50-minütigen Mittagspause aß ein Teil von uns in der Kantine, ein anderer holte sich, mit zuvor von den « corres » bestellten Tickets, belegte Baguettes ab. Auf der Suche nach einem Mülleimer stellten wir nach einer Weile fest, dass es in der Schule (und teilweise auch daheim bei den Familien) extra Mülleimer für Flaschendeckel gab :D. Dann begann auch für uns der Unterricht. Wir erhielten einen Raumplan für die nächsten vier Unterrichtsstunden. Der Schultag unserer Austauschpartner bestand aus je vier Stunden à 50 Minuten am Vormittag, der Mittagspause und vier Stunden am Nachmittag. Nach leichten Orientierungsproblemen fanden sich die meisten von uns in den vorgesehenen Räumen und Unterrichtsstunden wieder. In manchen Stunden wussten wir zunächst einmal nicht so recht, ob es Französisch, Geschichte, Geographie oder ganz was anderes war (wir haben anfangs nur wenig verstanden). Aber im Niederländisch-Unterricht verstanden wir Deutschen sogar mehr als manche Belgier.

 

Mittwoch,24.03.13

Vormittags machten wir mit Herrn Kiene eine Rallye zu Fuß durch die Umgebung, während die Belgier normalen Unterricht hatten. Wir wanderten durch ein kleines Waldstück und sahen am Ende eins der zwei Schlösser von Habay, das heute ein Hotel ist, und einen See. Anschließend mussten wir beim Postamt und in einer Bäckerei nach dem Preis für bestimmte Sachen fragen. Schließlicht kehrten wir zur Schule zurück, wo wir unsere « corres » wiedertrafen. Da die belgischen Schüler am Mittwoch nachmittags keinen Unterricht haben, machten sie mit uns Ausflüge, zum Beispiel zum Bowlen. Am Abend fand in der Mensa der Schule ein Abschiedsabend statt. Die Eltern und ein Partyservice hatten verschiedene Hauptspeisen und Nachtische vorbereitet. Beim Blick in den Spiegel stellten wir dann allerdings fast alle fest, dass unsere Gesichter vom Sonnenbrand glühten. Nachdem mit Puder das Schlimmste beseitigt worden war und wir alle Platz genommen hatten, hörten wir uns eine Reihe von Reden der für den Austausch Verantwortlichen an. Weil wir aufgefordert worden waren, den Eltern am Buffet den Vortritt zu lassen, fürchteten wir schon, dass nichts mehr übrig bliebe, aber am Ende wurde doch jeder satt und das Essen schmeckte auch hervorragend. Die restliche Zeit verbrachten wir im Schulhof, wo wir herumalberten und Fotos machten.

 

Donnerstag: 25.03.13

An diesem Tag brachen alle deutschen Schüler aus Habay und Athus ohne die Belgier, aber ausgerüstet mit Sonnencreme, nach Brüssel auf. Im Bus versuchte Herr Kiene uns weiszumachen, dass sich an der Sprachgrenze zwischen französisch- und flämischsprachigem Belgien auch die Währung ändere, was einige Schüler sogar glaubten. Als Erstes besichtigten wir die Chocolaterie Zaabär, wo wir etwas über die Schokoladenherstellung erfuhren und auch ausgefallene Sorten wie Schokolade mit Chili, Salz oder Lavendel probieren konnten. Dort kauften wir auch Schokolade als Geschenk für unsere Eltern. Danach sind wir zum Grand Place aufgebrochen, wo wir dann wieder Zeit für uns selbst hatten. Wir sind Essen gegangen, haben Souvenirs für Freunde und Familie gekauft, und haben natürlich das berühmte Manneken Pis besucht. Wir waren jedoch enttäuscht, als wir gesehen haben, dass er in Wirklichkeit viel kleiner ist, als wir ihn uns vorgestellt haben. Am Ende unserer Pause versammelten wir uns alle wieder am Grand Place und sind gemeinsam in den Bus Richtung Parlamentarium eingestiegen. Im Besucherzentrum des Europaparlaments haben wir mit Hilfe modernster Technik und Audio-Guides viele interessante Dinge über Europa, Deutschland und andere Länder erfahren. Anschließen wollten wir eigentlich das Atomium besichtigen. Dies fiel aber leider wegen Staus in der Stadt aus :(. Selbst die schriftliche Beschwerde eines Mitschülers half nichts (Herr Kiene hatte uns mitgeteilt, dass nur schriftliche Beschwerden mit Durchschlag entgegen genommen würden), also mussten wir die Rückreise nach Habay antreten - ohne Atomium.

 

Freitag:26.03.2013

Der Freitag verging wie im Fluge: Vormittags hatten wir noch einmal vier Stunden Unterricht, der für den Nachmittag geplante zweite Teil der Rallye fiel wegen Regens ins Wasser. Stattdessen schauten wir den „Hobbit" fertig und gingen dann noch zum Supermarkt, wo viele auch belgische Spezialitäten für ihre Eltern kauften.

 

Samstag:27.03.2013

In der Früh trafen wir uns zur Abreise wieder auf dem Platz gegenüber der Schule. Dort verabschiedeten wir uns von unseren Gastfamilien und bedankten uns für ihre Gastfreundschaft während der vergangen Woche. Als Nächstes holten wir die Athusler auf dem Parkplatz der Cora ab. Auf der Rückfahrt gerieten wir in mehrere Staus und machten uns über einen Hoffenheim-Fanbus lustig, woraufhin Hoffenheim sein Spiel gegen Nürnberg 2:1 gewann. Abends um sechs kamen wir endlich in Nittenau an. Dort begrüßte uns Sonnenschein und unsere Eltern warteten schon gespannt auf uns. Damit nahm eine sehr schöne und aufregende Austauschwoche ihr Ende und wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch der Belgier Anfang nächstes Schuljahr. Wir können eine Teilnahme an diesem Austausch nur empfehlen.

 

Katharina Knopp und Katharina Lutter, 9D