Text und Bilder erschienen in der MZ am 19.07.2016

RTG setzt Zeichen gegen Rassismus

 „Der Titel ist keine Belohnung für irgendwelche Verdienste, sondern eine Aufgabe für die Zukunft, die wir uns selbst gestellt haben“, betonte Christian Schwab, stellvertretender Schulleiter des Regental-Gymnasiums bei der Feier am Freitag, einem „wichtigen Tag“. Denn das RTG bekam von „Aktion Courage e. V.“ den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen.

 

 

Dabei handelt es sich um ein Projekt von und für Schüler und soll die Möglichkeit bieten, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem man sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wendet. Dabei gehe es nicht nur um den Abbau von Fremdenfeindlichkeit, sondern genauso um Respekt, Toleranz und Gemeinschaft im Alltag, der oft geprägt sei durch eine „heimliche, leise und stille Diskriminierung und Ausgrenzung“, die jeder jeden Tag zu spüren bekommen könne, erklärte Schwab. „Das erleben wir auch am RTG.“

„Deutschland ist in den letzten Monaten ein bisschen kälter und grauer geworden.“

Christian Schwab, stellvertretender Schulleiter

 

Das Schild mit dem Titel, das bald im Schulhaus hängen wird, soll Mut machen, gegen solche Diskriminierungen im Großen und im Kleinen etwas zu tun. „Wir müssen uns wehren, dürfen nicht wegschauen, sondern einschreiten oder Hilfe holen.“ Erst dann sei der Titel eine Auszeichnung und habe eine Wirkung, die über diesen Tag hinausgehe.

Eine große Mehrheit der Schüler, nämlich 81 Prozent, und alle Lehrer, haben sich per Unterschrift verpflichtet, aktiv gegen Gewalt und Rassismus vorzugehen. „Ich bin fest überzeugt, dass es uns gelingen wird“, sagte Schwab. Schließlich basiere dieses Projekt auf der Eigeninitiative und dem Engagement der Schüler, die die Unterschriften gesammelt hätten, und auf der Unterstützung der Lehrer.

Wie wichtig das sei, erklärte auch Bürgermeister Karl Bley. Nach den jüngsten Ereignissen in den USA und Frankreich gewinne dieses Thema immer mehr an Bedeutung. „Wir brauchen alle Menschen, damit Integration funktioniert“, ermutigte Bley die Schüler. Die Selbstverpflichtung sei dabei ein wichtiger Bestandteil, und auch die Vernetzung mit den anderen Nittenauer Schulen, deren Vertreter an der Feier teilnahmen, funktioniere sehr gut.

 

„Einen respektvollen Umgang hat jeder verdient. Jeder soll selbst anfangen, andere zu respektieren und zu tolerieren.“

Lea Butschbach, Schulsprecherin

Das Thema Auschwitz wurde musikalisch interpretiert und berührte und beeindruckte die Gäste sehr. „Musik gegen das Vergessen“ ist eines von vielen Projekten dieser Art am RTG. Foto: Ahrens

Schulsprecherin Lea Butschbach ließ den Worten Taten folgen und übergab zwei Spendenschecks aus dem Erlös eines Rockkonzerts im Wert von je 400 Euro an Barbara Vielberth-Baer von dem Uganda-Projekt „Rainbow House of Hope“ und an Barb Trucks vom Helferkreis Asyl. In Uganda wird das Geld für den Kampf gegen die Slums verwendet und im Helferkreis für die Hausaufgabenbetreuung und für Ausflüge – auch das sei ein Weg zur Integration. „Gegen Rassismus zu sein bedeutet Vorurteilsfreiheit und Aufgeschlossenheit, und Courage bedeutet Mut. Daran fehlt es leider vielen Menschen“, so Butschbach. Am RTG stünden diese Werte dagegen an erster Stelle, man wolle die Botschaft auch an Familie und Freunde weitergeben und mit den Projekten Zeichen setzen.

Einen Einblick in eines der vielen Schulprojekte bekam man gleich bei der Feier. Mit dem Thema Auschwitz, das musikalisch interpretiert wurde, habe man sich auf ein Experiment eingelassen, das Denkanstöße bieten soll, erklärte Peter Poth, einer der Mitwirkenden. Die „Musik gegen das Vergessen“ beeindruckte die Gäste sehr, und schließlich übergab Lisa Praßer, Regionalkoordinatorin von „Aktion Courage e .V.“ offiziell den Titel.

In Bayern nehmen bereits über 400 Schulen an der Aktion teil, berichtete sie. „Seid immer aktiv. Auch in der Freizeit sollen euch diese Werte begleiten.“ Mit „den Raith Schwestern und dem Blaimer“ habe die Schule hervorragende Paten gefunden, die hinter dem Projekt stünden, erklärte Schwab. Allein mit ihrem Tournee-Namen „I mog’s bunt“ sei schon alles gesagt. Jede Courage-Schule muss mindestens einen Paten haben, den die Schüler selbst suchen und der die Schüler dauerhaft in ihrem Engagement unterstützt. „Vorurteile entstehen dadurch, dass man etwas nicht weiß“, erklärte „Da Baimer“.


Information und Bildung seien der größte Feind von Rassismus. Direktorin Petra Weindl zeigte sich erfreut über den Titel und stolz, besonders im Hinblick auf die Projekte, die immer wieder bewusst machen würden, wo Gewalt und Rassismus lauern und die helfen, im Schulalltag dagegen anzugehen. Sie dankte auch den „Ehemaligen“ Max Müller, Anna Heinrich und Daniel Grill für ihren musikalischen Beitrag. Den Schlusspunkt setzten die Raith-Schwestern und der Blaimer. „Wir mögen es auch bunt“, bekräftigte Weindl und die Paten überreichten der Schule als Geschenk ein Bild mit der Weltkugel und dem Schriftzug „Hoamat“ – denn die Erde ist allen eine Heimat.


Rede von Lea Butschbach zur Titelverleihung Schule ohne Rassismus