WAHLPFLICHTKURS SCHULGARTEN

Chronik einer Metamorphose

Evolution des Schulgartens

Die Situation: Das RTG ist mit einem beneidenswerten Schulgartengelände ausgestattet.

Die 3000m2 liegen allerdings etwas steril und kaum genutzt angrenzend an das Sportgelände in den Regenauen. Meine Kollegin Marion Gruber hatte bereits in zahllosen P-Seminaren mit den Schülern der Oberstufe Bemerkenswertes geleistet und dem Garten mit einem Barfußpfad, einer Kräuterschnecke, Hochbeeten und einem wunderschönen Gartenteich Charakter verliehen – ihm ein Gesicht gegeben.

Das Ziel: …bestand nun darin, das Gelände in ein für Schüler und Insekten attraktives, blühendes Paradies zu verwandeln.

Die Überlegung: Der Lehrplan schreibt in der sechsten Jahrgangsstufe Botanik, in der zehnten Ökologie vor; also rekrutiere ich meine Gartenheinzelmännchen aus eben diesen Jahrgangsstufen. So der Plan.

Die Werbekampagne: Ich erwähne den Wahlpflichtkurs Schulgarten also zunächst in meiner 6C. 23 Meldungen. OK, erst mal keine weitere Werbung machen, Rückläufe abwarten und dann noch ein paar „Große“ für die Knochenarbeit aktivieren – so die Idee. Bereits am nächsten Tag liegen 23 unterschriebene Rücklaufzettel in meinem Fach. Der Kurs ist voll!!! Die Vorstellung, 23 Sechstklässler mit Spaten und Dreizack auf’s Feld zu schicken, bereitet zunächst Kopfschmerzen.

„Rama damma“:  Am 29.10.2015 legen wir los – Brainstorming: Die Ideen der Schüler reichen von Swimmingpool bis zur Hühnerhaltung. Es gelingt mir, die Begeisterung für den Erhalt alter Haustierrassen in eine Faszination für die Anzucht von Bohnen und Gurken umzulenken … Wir bilden 5 Teams: Kartoffelkaiser, Kräuterschnecken, Hochbeeter, Gartenhäuschenhexen, Müllsammler (eines der wichtigsten Teams, leider). Dass die Vorstellungen der Schulgartengestaltung von Sechstklässlern doch erheblich von meinen systematisch geprägten Strukturen abweichen, offenbart sich spätestens bei unseren ersten Pflanzaktionen, als jede Packung Tulpen- oder Narzissenzwiebeln statistisch über das gesamte 3000m2-Areal verteilt wird. Die Kinder sind mit einer solchen Begeisterung und Feuereifer dabei, dass ich ihnen die Spaten gewaltsam entreißen muss, damit sie ihren Bus nicht verpassen. Unglaublich, was sie in den Stunden erreichen, umgraben, aus-, weg-, auf- und umräumen. Die Tage sind lang, die Arbeit ist zum Teil sehr anstrengend und manchmal erwischt uns der Schneeregen. Die Gartenzwerge erweisen sich als ausgesprochen wetterfest und zielorientiert. Ich bin beeindruckt und mächtig stolz auf mein Team. Die drei 10ten Klassen lassen sich kaum davon abhalten, im Schulgarten gestalterisch mitzuwirken, und sitzen bereits an der Projektplanung für die nächsten Jahre. Hier werden Arbeitsanweisungen in Lichtgeschwindigkeit erledigt … toll!


Der Clou: Als besonders charakterstark erweist sich bedauerlicherweise ein fortschreitender Zersetzung anheimfallendes Gartengerätehaus. Wissend, der Anblick würde an der Ehre jedes Zimmerers kratzen, ihm die Tränen in die Augen treiben, wird ein Ortstermin mit Herrn Gruber (Fa. Wolpertinger Blockhausbau) vereinbart, in der Hoffnung, er würde sich erbarmen und dem maroden Ding mit einem neuen Boden und einem wetterfesten Dach zu neuem „Glanz“ verhelfen. Es kommt anders: „Wissen’s was, ich stell‘ ihnen a neue Hütt’n hin.“ WAHNSINN! Dann heißt es warten … bis die Arber-Fichten gefällt, geschält, auf die lange Reise `gen Reichenbach geschickt, zurechtgeschnitten, angepasst und zusammengesetzt sind. Die Büttenglas-Kirchenfester und die historische Bauerntür muss man gesehen haben. Das alles wurde in ein kleines Rundstamm-Gartenschlößchen in finnischer Naturblockbauweise liebevoll integriert, so dass nun viele Generationen floral begeisteter Schüler dieses Juwel des Zimmererhandwerks nutzen können.


25.04.2016: Firma Reisinger gießt Fundament im Schneeregen

Spenden: Ein riesiges Dankeschön gilt den Eltern, die uns Geld für die Nachmittagsverpflegung, Blumenzwiebeln, Staudenpflanzen Beeren- und Obststräucher gespendet haben. Vom Förderverein erhalten wir 250,-, was uns die Anschaffung neuer und dem Glanz des Häuschens angemessener Gartengeräte ermöglicht. Besondere Erwähnung verdient die großzügige Pflanzenspende der Firma Stuber Gartenbau, die im wahrsten Sinnes des Wortes fundamentale Spende der Firma Reisinger, die unserem Gartenhaus bei Eisregen am 25.04.2016 die erdbebensichere Basis gegossen hat und - last but not least - der Firma Wolpertinger Blockhausbau, die uns die ohne Frage schönste Hütte im Land gespendet und in den Pfingstferien ebenso unentgeltlich aufgebaut hat. Diese Hütte ist ein Kleinod, ein Schmuckstück, um das uns jede Schule beneiden dürfte. Was für ein großartiges Geschenk an die Schüler, an das RTG, an den Landkreis.

Einweihungsfeier: Der Termin der Einweihungsfeier wird noch bekannt gegeben.


Juni 2016: unsere komfortable, wohlklimatisierte Einzimmerwohnung für unsere Gartengeräte – bei Regen passen wir da ALLE rein!!!

 

Sinje Mühling-Versen