Fake oder War doch nur Spaß

Das Berliner Ensemble Radiks zeigte vor den Sommerferien das Theaterstück „Fake oder War doch nur Spaß“ vor 150 Schülerinnen und Schülern des Regental-Gymnasiums in Nittenau.

Nach der kurzweiligen Vorstellung, in der zwei Erzähler mögliche Folgen von Cybermobbing aufzeigten, wurden in der Nachbesprechung Handlungsstrategien thematisiert. Die Schülerinnen und Schüler sollten damit stark gemacht werden gegen Cybermobbing.

„Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie gemobbt wurden?“ will eine Schülerin von Isa Runkel (23) wissen, die eben noch als Lea auf der Bühne stand. Zusammen mit Alexander Abramyan (42) zeigte sie eine erfrischende und authentische Inszenierung des Stücks „Fake oder War doch nur Spaß“ von Karl Koch vor den 6. und 7. Klassen des Regental-Gymnasiums in Nittenau.

Erzählt wurde die Geschichte der siebzehnjährigen Lea, die davon träumt, Sängerin zu werden. Die Aufnahme in eine Casting-Agentur weckt den Neid einiger Mitschülerinnen, besonders von Nadine, ihrer vermeintlich besten Freundin. Es kommt zu Anfeindungen und Ausgrenzungen in der Schule und in sozialen Netzwerken. Lea versucht sich zu wehren und postet einen eigenen Rap-Song gegen die Mobber. Doch was mit einer einfachen Lüge begonnen hat, nimmt nun seinen Lauf: Anonyme Anrufe, Drohungen und Beleidigungen ziehen immer weitere Kreise, vor allem als ein Video im Netz auftaucht, das Lea minutenlang betrunken in einer Toilette zeigt.

In verschiedenen Rollen gelang es den beiden professionellen Schauspielern die Geschichte so überzeugend auf die Bühne zu bringen, dass am Ende nicht klar war, ob sie eine wahre Begebenheit oder einen fiktiven Fall spielten. Fast alle Schülerinnen und Schüler meinten in einer Abfrage am Ende der Aufführung, dass die Darbietung durchaus realistisch sei. Das auf Tatsachen beruhende Drama könne sich so oder ähnlich in diesem Moment ereignen, meinte Abramyan in der Nachbesprechung und fügte hinzu: „Es gibt in Deutschland jetzt gerade 100 bis 1000 Leas.“

Schauspielerin Runkel verriet, dass sie die Rolle der Lea jedes Mal mitnehme. „Man ist hilflos. Das ist kein schönes Gefühl.“ Auf ihre Frage, was Lea besser hätte machen können, wussten die Kinder gleich mehrere Antworten und zeigten, dass sie nicht zum ersten Mal mit den Themen Cybermobbing und Medienkompetenz konfrontiert wurden. Kritisch analysierten sie das Verbreiten des Rap-Songs, aber auch das Posten des Videoclips über die betrunkene Protagonistin.

Auch das offene Ende der Geschichte kam bei den Schülerinnen und Schülern gut an. So stellten sie nicht nur Fragen nach dem Urheber der Brandstiftung und den weiteren Folgen des Suizidversuchs, sondern interessierten sich auch dafür, ob Lea und Jo nach dem Klinikaufenthalt zusammenkommen würden. In der Besprechung wurde sehr deutlich, dass sich das junge Publikum zumindest ein Happy End wünscht, im Theater, aber auch im richtigen Leben.

Studienrat Florian Gmeiner organisierte die Aufführung des Dokumentar-Theaterstücks, das bereits 2013 im Rahmen des Grimme-Online-Awards für den „klicksafe Preis für Sicherheit im Internet“ nominiert wurde. „Wir wollen die Schülerinnen und Schüler stark machen, stark gegen Mobbing und Cybermobbing“, erklärte Gmeiner und verwies auf das pädagogische Konzept zur Werteerziehung am Regental-Gymnasium, das auch Themenfelder wie Pubertät, Sucht und soziales Miteinander umfasst. „Im Hinblick auf die Möglichkeiten durch Smartphones und soziale Netzwerke müssen wir den jungen Menschen möglichst früh die Folgen ihres Handelns klarmachen, aber auch aufzeigen, wie sie sich richtig verhalten sollen.“

Der Mathematiklehrer gibt sich überzeugt, dass die Aufführung und die Nachbesprechung zumindest ein wertvoller Schritt in diese Richtung waren. Die Form der Darbietung, bei der zwei Erzähler anhand ausgewählter Szenen berichten, wie es dazu kommen konnte, dass eine lebensfrohe Jugendliche sich immer mehr zurückzieht und schließlich als einzigen Ausweg den Suizid sieht, sei eine gute Möglichkeit, über die Ursachen und Folgen zu reden. Das zeigten auch die Schülerinnen und Schüler durch ihre vielen Fragen und Diskussionsbeiträge.

von Florian Gmeiner, Bilder Raphael Huber