Akwaaba – Willkommen an der Elfenbeinküste!

Wer die Berichterstattung in der MZ über die Aktivitäten im Regental-Gymnasium aufmerksam verfolgt, erinnert sich sicher, dass die RTG-AAG Big Band Connection im September 2016 erst von einer Konzertreise nach Thailand zurückgekehrt war. In den Osterferien 2018 folgte die Gruppe unter Leitung von Barbara Vielberth-Baer einem Ruf in die Elfenbeinküste.

Valentin Ouffoue, Deutschlehrer am Internationalen Gymnasium in Abidjan, sprach die Einladung im Namen seines Vereins „Deutsch für @lle“ aus: Er bereitete eine attraktive Tour durch den Süden des Landes mit einem siebenköpfigen Team vor, das die 42 Mitglieder der Band begleitete, betreute und zu jeder Zeit mit Rat und Tat mit unendlicher Geduld zur Seite stand. Diese Konzertreise wurde durch das Goethe Institut und das Auswärtiges Amt finanziell gefördert, wie auch schon viele Reisen zuvor.

Landestypische Strandverkäufer 

Landestypische Strandverkäufer

Tänzerinnen beim Paquinou du Belier

Tänzerinnen beim Paquinou du Belier

Maskentänzer der Baoulé, Paquinou du Belier

Auftritt beim Kulturfestival

Eine viertägige Tour führte nach San Pedro, der zweitgrößten Hafenstadt, und Yamoussoukro, der (offiziellen) Hauptstadt des Landes, für die meiste Zeit war jedoch der Aufenthalt in Grand Bassam vorgesehen, der ersten kolonialen französischen Hauptstadt und UNESCO-Weltkulturerbe. Der Gesamteindruck von Ort und Hotel, geprägt von morbidem Charme, lässt allerdings die ehemalige Schönheit nur noch ahnen. Der touristische Teil der Fahrt beinhaltete natürlich eine Führung durch den alten Ortskern, informierte im Kostümmuseum über die Lebensweise der verschiedenen Stämme und auch über die ältere und neuere Geschichte, wie u.a. den islamistischen Überfall vor zwei Jahren, der 17 Menschen das Leben gekostet hatte. Auf dem Programm standen auch eine Besichtigung der Kathedrale „Nôtre Dame de Paix“ in Yamoussoukro, der höchsten Kathedrale der Welt, sowie ein „Aug'-in-Auge-Date“ mit den Krokodilen des ehemaligen Präsidenten F.H. Boigny; ein mehrstündiger Besuch des Banco Nationalparks bei Abidjan sorgte für Urwaldfeeling wie bei Indiana Jones.

Immer wieder aufs Neue interessant aber war es, das normale Leben am Straßenrand zu sehen, ob in der Stadt, in Dörfern oder auf dem freien Land. So konnten die Eindrücke, die sich schon allein durch die Konzerte und Aufführungsorte ergaben ­– auch mitten auf der Straße! – unterschiedlicher nicht sein: Europäischer Luxus empfing die jungen Musiker in der Residenz des Deutschen Botschafters, der Diplomaten aus aller Welt und Freunde des Hauses zum Big Band Konzert mit anschließendem bayerischen Büffet geladen hatte. Einen Kontrast in sich stellte die Fahrt zum SOS-Kinderdorf im Stadtteil Abobo dar, wo 130 Kinder auf die außergewöhnlichen Besucher warteten: Nach der Fahrt, vorbei an Slums des nördlichen Abidjan, erschien das Kinderdorf direkt wie ein Stück heile Welt mit seinen adretten „Familienhäusern“ für bis zu zwölf Kindern und eine Pflegemutter. Das Strahlen der Kinder, die Freude über die Musik und die persönlichen Kontakte waren Belohnung genug für die Musiker, beim Abschied jedoch kullerten auch Tränen über so manches Kindergesicht.

Zuhause im Hotel Tereso (oben und unten)

Musikalisch-künstlerische Höhepunkte bescherten Konzerte und Workshops, die mit lokalen Musikgruppen in San Pedro und im Goethe-Institut in Abidjan mit anschließendem Konzert stattfanden. Eine kulturelle Besonderheit war der Empfang durch den „Chef“, Mitglied der Königskammer des Landes, beim Betreten seines alten Stammlandes, heute das Areal der Vier-Millionenstadt San Pedro. Nach dem uralten westafrikanischen „Kola-Ritual“ werden nur besondere Gäste empfangen, den Dorfältesten vorgestellt und mit einem Stückchen Kolanuss, Gewürzpulver und üblicherweise mit Palmwein begrüßt. Das Highlight aber war die Teilnahme an der mehrtägigen Kulturveranstaltung „Paquinou du Bélier“ in Yamoussoukro: Als Ehrengäste bei den Eröffnungsfeierlichkeiten, als Band auf der großen Bühne des Festgeländes und als Teil des Festaktes u.a. mit der Ivorischen Hymne als Eröffnungsstück. Dafür waren auf einem riesigen Areal weiße Pavillons für über 3.000 Teilnehmer aufgebaut, vorwiegend Stammesangehörige der Agni und Baoulé, die – Frauen wie Männer – in farbenprächtiger, traditioneller Kleidung, z.T. goldene Insignien auf langen Stäben mit sich tragend, der Ankunft eines neuen Ehrengastes entgegensahen. Viele Trommelgruppen mit besonderen „Tam-Tams“ begleiteten das Erscheinen einer weiteren Delegation, unterstützt durch Tänzer(innen), Ehrendamen, große tanzende Figuren, Stelzengänger und Maskentänzer der Baoulé.

Workshop in San Pedro und am Meer

Ein absolutes Feuerwerk für Augen und Ohren! Die Länge solcher Veranstaltungen bei schwül-heißen Temperaturen brachten so manchen „Tubabu“ (Bezeichnung für hellhäutige Europäer) an seine Grenzen. Aber man hatte ja außer Instrument, Pass oder Sonnenhut laut Reise-Checkliste noch weiteres „manch Nützliches“ im Gepäck mitgenommen: Durchhaltevermögen, gute Laune, Geduld, Gemeinschaftsgefühl, Disziplin, Fröhlichkeit und Flexibilität!