Im Herbst ist es Zeit für einen Austausch

Im Herbst ist es Zeit für einen Austausch

In der letzten Septemberwoche nahmen 68 belgische und deutsche Schüler am alljährlichen Austausch-Programm des Regental-Gymnasiums teil. Schon im März hatten die Schüler ihre belgischen Partner in den Schulen von Athus und Habay-la-Neuve in der Wallonie kennengelernt und dort eine wundervolle Woche in einer französisch-sprachigen Familie verbracht. Die Aufregung und die Vorfreude auf die belgischen Gäste war in Nittenau groß.

Ein gewaltiger Platzregen empfing die belgischen Schülerinnen und Schüler am Freitagabend auf dem Parkplatz in Nittenau, sodass es ihnen kaum möglich war, trockenen Fußes in die wartenden Autos der Gastfamilien zu springen. So hatten sich die Belgier ihren Willkommensgruß sicherlich nicht vorgestellt. Aber die kalte Dusche sollte die einzige regnerische Ausnahme der Woche bleiben. Der Spätsommer hatte es mit den Jugendlichen und ihren Lehrern in diesem Jahr besonders gut gemeint und verwöhnte die Gäste mit warmen Sonnenstrahlen und blauem Himmel. Das aufregende Programm konnte unter besten Bedingungen stattfinden.

Auf die belgischen Schüler warteten spannenden Herausforderungen. Nicht nur, dass sie sich am Wochenende ganz allein in einer fremden deutsch- oder vielmehr oft bairischsprachigen Familie zurecht finden mussten, auch im Unterricht des Regental-Gymnasium mussten sie sich in den verschiedenen Fächern beweisen. Die Austauschpartner halfen natürlich, wo es nur ging. Auch wenn die Schule in Deutschland fast eine Stunde früher beginnt und das zeitige Aufstehen die Gäste auf eine harte Probe gestellt hat, so überzeugten doch die freien Nachmittage in der Woche, die viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen übrig gelassen haben.

Bald war auch der Dialekt kein Hindernis mehr. Vielmehr lud er ein, die Vokabellisten um bairische Klassiker zu erweitern. Das „Guten Tag“ aus dem Schulbuch wurde schnell in ein kameradschaftliches „Servus“ am Morgen getauscht. Ein Besuch der Landeshauptstadt half den Gästen ihre Kenntnisse über Bayern zu vertiefen: Die Bewohner tragen nicht jeden Tag Lederhose, Touristen in München aber seltsame Verkleidungen zur Wiesnzeit. Die bayrischen Alpen sind wunderschön und bei Fön vom Olympiaturm aus sogar zum Greifen nah. München hat neben dem Hard-Rock-Café noch viel mehr zu bieten: Jugendkultur, berühmte Graffitis und eine Welle zum Surfen.

Das Rahmenprogramm der Schule hatte natürlich nicht nur Unterricht zu bieten. Ein Nachmittag in der Woche war für gemeinsame Spiele reserviert. Vor allem Tchoukball und Ultimate-Frisbee standen hoch im Kurs. Angetan hatte es den Gästen im Anschluss an die Bewegung auch das große Kuchenbüffet in der Aula der Schule. Die Familien hatten sich mit Torten, Muffins und Co ordentlich ins Zeug gelegt um die Gäste zu beeindrucken. Beim Kaffeeklatsch, an dem jedes Jahr auch viele Eltern teilnehmen, konnte man sich in gemütlicher Runde bei allen bedanken, die diese Woche möglich gemacht haben. Bei den Eltern, die einem fremden Kind ihre Wohnung öffnen und somit eine interkulturelle Begegnung ermöglichen. Bei den Schülern, die sich voll Mut in das Abenteuer stürzen und bei den Organisatoren, die viel Energie investierten, damit in der Woche alles reibungslos läuft.

Die Stadt Regensburg durften die belgischen Jungen und Mädchen mit ihren Austauschpartnern am letzten Tag gemeinsam entdecken. Eine Fotoschnitzeljagd zeigte den Jugendlichen die schönsten Ecken der bunten und mittelalterlichen Kulisse. Der Besuch des fürstlichen Schlosses rundete den Tag und so auch den Austausch ab.

Dass ein Austausch mehr ist, als nur eine Klassenfahrt, sieht man an den Tränen bei der Verabschiedung. Er leistet mehr als nur die Besichtigung eines anderen Ortes: Internationale Freundschaften werden geschlossen, Horizonte erweitert und der Grundstein für Toleranz und Offenheit gegenüber anderen gelegt - was könnten die Jugendlichen Wichtigeres lernen.

 

Martina Bose